SURUKARTA PLAY

theaterplaystation

SURUKARTA PLAY


Surakarta Playstation

Transnational intercultural exchange project / Transnationales interkulturelles Austauschprojekt

For artists and students from Indonesia and Germany / Für Künstler aus Indonesien und Deutschland

Cooperation between theater: playstation e.V., Hamburg and Padepokan Lemah Putih, Plesungan, Surakarta

With / Mit:

David Chotjewitz, Katharina Oberlik (theater: playstation e.V., Hamburg); Dorothea Grießbach (University of Hamburg), Lars Maué (Theater Maué, Wismar), Suprapto Suryodarmo (Padepokan Lemah Putih, Surakarta, Indonesien), Turah Hananto (Indonesien) and others / und anderen

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The project:

The question of cultural identity, in addition to economic injustice, is today one of the main causes for conflicts worldwide. Cultures are threatened by fundamentalism and intolerance, and this is increasing with the insecurity of cultural identity, which is a question that is also raised in Germany and Indonesia.

The problem is even more important because cultural identity, once broken, can not be easily restored. It seems all the more important to protect and promote it.

For this purpose, it is important to distinguish what is actually culturally grown and what just customary formality, and to go back to the personal experience.

Because cultural identity is always the result of concrete personal experiences – and thus part of life story.

In this project we want to approach these questions with artistic means, by performance and theater-work.

Biographical aspects play an important role in contemporary theater. At the same time, they offer an opportunity to reflect and express own roots and own social situation in cultural work with teenagers, students and people of all ages and backgrounds.

The Indonesian culture still has theater-traditions, just to mention Wayang Kulit, dance theater and mask play. Until today, many popular stories are linked to this material.

There is also a traditional practice of what in the West is now called „participatory“.

Our project aproaches this and concentrates, based on the idea of ​​mutual learning, on the development of tools for the implementation of participatory projects.

Artists from Germany and Indonesia meet, work together and implement a workshop for students, teachers, social workers and others. They get to know cultural techniques in theater and contemporary performance that can be passed on in the field of socio-cultural projects.

We explore strategies for the implementation of this socio-cultural practice in neighborhood projects, schools, universities and other institutions.

This programme is accompanied by public discussions and performances.The project links the participating students, artists and cultural mediators from Hamburg and Surakarta. They work together and at the same time get in contact with cultural institutions in the respective cities / countries.

The project is self-contained, but also provides a long-term perspective by connecting the institutions in Germany and Indonesia.

The aim is to stimulate and support the cultural scene both in Germany and Java by establishing international contacts and transnational perspectives.

General item are perspectives of teaching theatrical work as a means of cultural education and of making it more relevant for social development.

In Java, the project is open for students and Indonesian artists of all disciplines.

Padepokan Lemah Putih, a very active cultural institution in Surakarta (Solo), acts as invitation institution and will help to facilitate the project in Java.

Participants will work with performance artists, writers, directors and choreographers to get training in performance skills, dance and drama.

For this, we present questions which seem to be relevant to the given theme of cultural identity.

At the end of the second workshop phase there will be a stage presentation with small public performances. These will be clearly presentation of work results.

Schedule:

December 2019: First workshop in Surakarta

End of December 2019: Participation in Festival Srawung Seni Candi / Sharing Temple Art

January / February 2020: Second workshop in Surakarta, final performance of workshop results

Artistic contributors

David Chotjewitz, Hamburg

Project management, lectures, workshops

Dorothea Grießbach, Hamburg

Lectures, workshops, documentation

Katharina Oberlik, Hamburg

Workshops, choreography , performance

Lars Maué, Wismar

Workshops, play with masks

Suprapto Suryodarmo, Surakarta

Workshops, Amerta Movement

Turah Hananto, Surakarta

Workshops, contemporary performance

Deutsche Version / German version:

Das Projekt

Kulturen im Umbruch sind bedroht durch Fundamentalismus und Intoleranz. Dies ist nicht nur ein islamisches Problem: Religiösen und nationalistischen Fundamentalismus gibt es auch in Europa. Die Anfälligkeit für diese Dinge wächst mit der Verunsicherung der kulturellen Identität, uns dies ist eine Frage, die sich auch in Deutschland stellt.

Wenn heute über die „Bekämpfung von Fluchtursachen“ gesprochen wird, gerät dies schnell aus dem Blickfeld. Aber vermutlich ist die Frage nach kultureller Identität, neben der ökonomischen Ungerechtigkeit, eine der Hauptursachen, auf die sich zahlreiche Krisen und Konflikte zurückführen lassen. Die Problematik ist umso bedeutender, als dass kulturelle Identität, wenn sie einmal zerstört wurde, nicht ohne weiteres wiederhergestellt werden kann. Umso wichtiger ist es, sie dort, wo sie noch existiert, zu schützen und zu fördern.

Gerade Indonesien und speziell Java sind noch immer von toleranten Traditionen geprägt, die Identitätsstiftend wirken können, wenn sie entsprechend wahrgenommen werden. Hierfür ist es wichtig, das kulturell Gewachsene aus seiner Formalität herauszulösen und auf die persönliche Erfahrung zurückzuführen. Denn kulturelle Identität ist immer das Ergebnis konkreter persönlicher Erfahrungen – letztlich Teil von Lebensgeschichte. Es ist daher auch nicht zufälligerweise das, was fundamentalistische Strömungen immer wieder anzusprechen versuchen.

Das künstlerische Mittel, mit dem wir uns diesen Fragen annähern wollen, ist die Performance- und Theaterarbeit. Biografische Aspekte spielen im zeitgenössischen Theater eine zunehmend wichtige Rolle. Gleichzeitig bieten sie eine Chance, in der kulturellen Arbeit mit Jugendlichen und anderen Menschen eigene Wurzeln und eigene gesellschaftliche Situation zu reflektieren und künstlerisch auszudrücken.

Die indonesischen Kulturen sind noch immer durch Theater-Traditionen geprägt, hier seien nur das Schattentheater Wayang Kulit, das Tanztheater und das Maskenspiel genannt. Bis heute sind zahlreiche populären Geschichten mit diesem Material verbunden. Dabei gibt es auch eine gewachsene, selbstverständliche Praxis dessen, was im Westen heute als „partizipatorisch“ neue Beachtung findet.

Das Projekt greift diesen Fundus auf und konzentriert sich, basierend auf der Idee des gegenseitigen Lernens, auf die gezielte Vermittlung von Tools für die Durchführung partizipatorischer Projekte. Künstler und Kulturvermittler aus Deutschland und Indonesien begegnen sich, tauschen sich aus und arbeiten zusammen. Gemeinsam entwickeln sie einen Workshop für Lehrer, Studenten und Menschen aus der Jugendarbeit, in dem kulturelle Techniken aus Theater und zeitgenössischer Performance für sozio-kulturellen Projekten weitergegeben werden. Dabei erforschen wir Wege für die konkrete Umsetzung dieser Praxis in Nachbarschaftsprojekten, an Schulen, Universitäten und anderen Institutionen. Dieses Programm wird begleitet von öffentlichen Diskussionen und Performances. Zum Abschluss finden Werkstatt-Aufführungen der entstandenen Ergebnisse statt.

Das Projekt vernetzt die teilnehmenden Künstler und Kulturvermittler aus Hamburg und Java, sowohl untereinander als auch mit kulturellen Institutionen in den jeweiligen Städten / Ländern. Das Projekt ist in sich abgeschlossen, vermittelt aber auch eine langfristige Perspektive durch die Verbindung der Institutionen in Deutschland und Indonesien.

Ziel ist es, die Kulturszene in Deutschland und Java durch internationale Kontakte und transnationale Perspektiven zu stimulieren und zu unterstützen. Allgemein geht es darum, Perspektiven der Theaterarbeit als Werkzeuge der kulturellen Bildung zu vermitteln und sie für die soziale Entwicklung relevanter zu machen.

Kern des Projektes sind zwei Workshops in Java. Im ersten entwickeln Künstler und Kulturvermittler Grundlagen einer gemeinsamen Arbeit. Im zweiten Workshop wird diese dann an weitere Teilnehmende aus sozio-kulturellen Arbeitsfeldern vermittelt. Beide Workshops laufen über drei Wochen, gearbeitet wird jeweils dreimal wöchentlich für 4 Stunden.

Für den ersten Workshop reisen Beteiligte aus Hamburg nach Surakarta, wo sie einer Gruppe von indonesischen Künstlern begegnen. Sie alle verfügen über große Erfahrungen in ihren jeweiligen Arbeitsfeldern. Sie gestalten gemeinsam einen intensiven kulturellen Austausch, wobei der Fokus auf den obengenannten Themen von Identität, gesellschaftlichen Herausforderungen und künstlerischen Techniken liegt.

Nach Abschluss dieser ersten Phase bleiben zwei der deutschen Beteiligten in Java. Zusammen mit den indonesischen Beteiligten bilden sie ein transnationales Team, das zusammen den zweiten Workshop zusammenstellt und anleitet. Die Teilnehmer*innen dieses zweiten Workshops sind Studenten, Lehrer, Menschen aus sozialen Arbeitsfeldern und aus der Jugendarbeit und entsprechenden Institutionen, die ein besonderes Interesse an Theater and Performance haben. Zum Abschluss dieses Workshops erarbeiten sie in einer 4-tägigen Intensiv-Phase öffentliche Showings ihrer Arbeitsergebnisse.

In Java hilft besonders Padepokan Lemah Putih, eine sehr aktive kulturelle Institution aus Surakarta (Solo), die Gruppe der Beteiligten auszubauen. Lemah Putih agiert auch als einladende Institution und hilft bei der praktischen Durchführung vor Ort.

Die Teilnehmenden arbeiten mit Performance-Künstlern, Schriftstellern, Regisseuren und Choreografen und lernen spezielle Techniken der zeitgenössischen Performance kennen.

Am Ende der ersten Workshop-Phase wird eine kleine Performance im Rahmen des Festivals Srawung Seni Candi / Sharing Temple Art aufgeführt, das vom 31.12.19 – 01.01.20 in Sukuh (Lawu) stattfindet.

Am Ende der zweiten Workshop-Phase stehen szenische Präsentationen der Teilnehmenden, kleine Aufführungen und Performances für die Öffentlichkeit. Diese Aufführungen verstehen sich als Präsentation von Arbeitsergebnissen, nicht als fertige Theaterstücke: Entstandene Szenen, Monologe, Songs und Choreografien werden mit professioneller Hilfe weiterentwickelt und dann in einfachen Formen umgesetzt.

Terminplan

Mitte Dezember 2019: Workshop „Tools and skills for participatory performance“ in Surakarta

Neujahr: Performance im Rahmen des Festivals Srawung Seni Candi / Sharing Temple Art

Anfang Januar 2020: Workshop „Tools and skills for participatory performance projects“ in Surakarta

Ende Februar 2020: Präsentation Workshop „Participatory performance projects“, Abschluss-Performance

Künstlerische Beteiligte

David Chotjewitz, Hamburg

Projektleitung, Vorträge, Workshopleitung

Katharina Oberlik, Hamburg

Workshopleitung, Choreografie, Performance-Coach

Dorothea Grießbach, Hamburg

Vorträge, Workshopleitung, Dokumentation

Lars Maué, Wismar

Workshopleitung, Maskenspiel

Suprapto Suryodarmo, Surakarta

Workshopleitung, Amerta Movement

Turah Hananto, Surakarta

Workshopleitung, zeitgenössische Performance

Hier ist nur ein Teil der geplanten Beteiligten aufgelistet, da sich die indonesische Gruppe erst im Laufe des Projekts, in Kooperation mit Padepokan Lemah Putih bilden wird.

Padepokan Lemah Putih

Padepokan Lemah Putih (Solo) ist eine interdisziplinäre Kunstinstitution und ein Ort, an dem die Öffentlichkeit und Künstler die Arbeit lokaler, indonesischer und internationaler Künstler erleben können. Mit seinem Programm aus Festivals, Performance-Events, Ausstellungen, Screenings, Workshops, Labors und einer Reihe von interdisziplinären Projekten will Padepokan Lemah Putih die Kunst fördern und gleichzeitig die kritische Diskussion über die Kunst und breitere kulturelle Themen anregen. Padepokan Lemah Putih bietet lokalen, nationalen und internationalen Künstlern die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und zu teilen, indem sie Kunstwerke, konzeptionelle Projekte und die Teilnahme an Workshops, Performances und anderen Aktivitäten entwickeln.

Zu den Aufgaben zählen die kreative und kritische Auseinandersetzung mit traditionellen und zeitgenössischen Ideen und der Kunstpraxis mit lokalem, nationalem und internationalem Fokus; die Förderung experimenteller, innovativer und hochqualifizierter Werke; die Unterstützung von Künstlern in allen Phasen ihrer Karriere und über Kunstformen hinweg; die Unterstützung nicht-akademischer Kunstausbildung durch professionelle Workshops, offene Vorträge und Studienclubs; die Reflektion von Kunst in ihrer Beziehung zu kulturellen, ökologischen und menschlichen Fragen.

Padepokan Lemah Putih wurde 1986 von Suprapto Suryodarmo gegründet. Seit den letzten 15 Jahren leistet sie die Durchführung und organisatorische Unterstützung für lokale und internationale Festivals für Theater, Tanz, Performancekunst und bildender Kunst im traditionellen und zeitgenössischen Kontext, wie Sharing Time, Festival Seni Pasar Kumandang in Zusammenarbeit mit 15 traditionellen regionalen Märkten, Srawung Seni Jejer Desa, Sharing Art & Shadow, Sacred Rhythm Festival und viele andere. Seit 2003 werden regelmäßig herausragende Aktivitäten wie Lir-ilir und Macaning Performance Events durchgeführt.

Suprapto Suryodarmo, artistic director of Lemah Putih